Henri Matisse

Nu, main gauche près de l'épaule
1926

Henri Matisse, Nu, main gauche près de l'épaule
© Succession H. Matisse / VG Bild-Kunst, Bonn

Kreide auf Papier

43,8 × 54,5 cm

Registriert im Archiv des Künstlers unter der Nr. V 392

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Expertise

George Matisse, Issy-les-Moulineaux 2023

Provenienz

Sammlung Sam & Lilette Szafran, Malakoff

Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2023", Düsseldorf 2023, S. 108

Der französische Maler, Zeichner und Bildhauer Henri Matisse gilt als Begründer des Fauvismus. International bekannt für seine mutige Farbmalerei, hat Matisse auf einzigartige Weise darüber nachgedacht, wie unsere dreidimensionale Welt im zweidimensionalen Medium der Malerei dargestellt werden kann. Seine radikale Vereinfachung der Form ist prägend für die moderne Kunst. In seinen Schriften »Über Kunst« hielt er fest, dass er »von einer Kunst des Gleichgewichts [träumt], der Reinheit, der Ruhe […]; einer Kunst, die für jeden Geistesarbeiter [...] ein Beruhigungsmittel ist, eine Erholung für das Gehirn, so etwas wie ein guter Lehnstuhl, in dem man sich von physischen Anstrengungen erholen kann.« (1)

Neben der bunten und flächigen Malerei blieb das Zeichnen für Matisse lebenslang ein eigenständiger, nicht endender Prozess der Klärung. Matisse war sich dessen schon sehr früh bewusst, denn schon in den allerersten Ausstellungen präsentierte er Zeichnungen. Auch seine ersten großen Verehrer: innen, von Gertrude Stein bis Jacques Doucet, von Marcel Sembat bis Gustave Fayet, wussten das und kauften sie ohne zu zögern. (2)

In seinen Zeichnungen charakterisierte Matisse mit minimalen Mitteln verschiedene Objekte; brachte mit feinen Strichen geschickt lebendig wirkende Körper aufs Papier. Eine extreme Nahsicht lässt das Zusammenspiel als Ausschnitt wirken. Die arrangierten Gegenstände sind der unmittelbaren Umgebung des Künstlers entnommen. Nichts Erdachtes, sondern Geschautes inspirierte den erfahrenen Künstler zum Zeichnen. Mit wenigen, dünnen Linien erfasste er die Umrisse, vermittelte die materielle Qualität und zugleich eine Vorstellung von Gewicht und Volumen.

Unsere Bleistiftzeichnung »Nu, main gauche près de l’épaule« von 1926 entstand, als Matisse bereits in Nizza lebte. Sein Atelier richtete er mit dekorativen marokkanischen Elementen wie Teppichen, Kissen, Vorhängen, Decken und Vasen ein. In diesem künstlich geschaffenen Paradies heben sich die Figuren deutlich vom Hintergrund ab, andererseits verschmelzen sie mit der ornamentalen Umgebung. Matisse arbeitete unmittelbar mit dem Modell, zeit seines Lebens. Von der akademischen Ausbildung geprägt, war die weibliche Figur sein Hauptthema: Im Gegensatz zur Landschaft oder dem Stillleben war sie für ihn am interessantesten. Mit einer einzigen Umrisslinie hielt er die Figur auf der Seite liegend fest. Sie hat die Beine übereinandergelegt, den Oberkörper erhoben, auf die gekreuzten Arme gestützt. Die Frau schaut den Betrachtenden – den Künstler – direkt an. In vereinfachter Form ist eine Halskette dargestellt, die Frau ist in ein Tuch gehüllt und liegt auf einer Decke, die mit einer durch Punkte angedeutete Ornamentik verziert ist. Matisse stelle keine Frau dar, sondern male ein Bild. (3) Der Künstler erfasste das Modell, fühlte es in sich und ließ der Hand freien Lauf. Es geht mehr um die Verwandlung der Wirklichkeit als die reine Abbildung.

1 Matisse zitiert nach: Jack D. Flam (Hg.), »Über Kunst«, Zürich 1982, S 149.

2 Dominique Fourcade, in: »Henri Matisse. Zeichnungen und Skulpturen«, Ausst.-Kat., Saarland-Museum Saarbrücken 1991, S. 25.

3 Matisse nach Pierre Schneider, »Henri Matisse«, München 1984, S, 342.

Über Henri Matisse

Henri Matisse, französischer Maler, Zeichner, Grafiker und Bildhauer, war ein bedeutender Künstler der klassischen Moderne und Wegbereiter sowie Hauptvertreter des Fauvismus. Er studierte zunächst Jura und entdeckte seine künstlerische Leidenschaft über Umwege, als er während seiner Genesung nach …

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