Thomas Struth

Rue aux Laines, Bruxelles 1980
1980/2000

Thomas Struth, Rue aux Laines, Bruxelles 1980
© Thomas Struth

Silbergelatineabzug

41,2 × 57,2 cm

Rückseitig signiert, datiert, betitelt, "4/10" nummeriert und "Print: 2000" beschriftet

Auflage 10

Provenienz

Galerie Meert Rihoux, Brüssel; Privatsammlung Brüssel

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2020". Düsseldorf 2020
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Neuerwerbungen Herbst 2020", Düsseldorf 2020, S. 114

Thomas Struth begann die Serie der Straßenfluchten noch während seines Studiums, das er 1976 bei Bernd und Hilla Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie begonnen hatte. Die Handschrift seiner Lehrer ist nicht zu verkennen: Auch in seinen Fotografien ist der Mensch stets absent, und ein strenges fotografisches Konzept ist klar erkennbar. Seine Schwarz-Weiß-Fotografien sind immer zentralperspektivisch angelegt und bei gleichmäßigen Lichtverhältnissen werden mit einer analogen Großbildkamera sehr ähnliche Kompositionen unterschiedlichster Städte in aller Welt aufgenommen.

Struth interessiert sich für Architektur, allerdings möchte er keine wiedererkennbaren Stadtbilder oder gar Wahrzeichen der Weltarchitektur ablichten. Er richtet seinen Blick vielmehr auf Räume, die von der bewussten alltäglichen Wahrnehmung der meisten Menschen ausgeblendet werden. Er möchte dem Unscheinbaren, gar Nebensächlichem Beachtung schenken und nimmt sich den Stadtraum zum Thema, der für die meisten Menschen zu einem Alltagsraum geworden ist und dem man aufgrund von Routine keine tiefergehende Betrachtung mehr widmet. Sein Ziel ist es, das Sehen als bewusst sinnliche Wahrnehmung zu fördern oder gar wieder zu entdecken.

In der vorliegenden Aufnahme »Rue aux Laines, Bruxelles« von 1980 werden der Strenge des Gesamtkonzepts eine Fülle von Details gegenüber­gestellt. Der leblosen und etwas kühlen Atmosphäre werden die sehr attraktiven Altbauten der europäischen Metropole entgegengestellt. Auf den ersten Blick wirken die Fotografien Struths etwas leblos und distanziert. Der Blick des Betrachters wird jedoch von den parkenden Autos in die Tiefe geführt, die wir heute als Oldtimer bewundern würden. Quer über der Straße, in der Bildmitte hängen Straßenlampen. Sie gleichen die strenge Vertikale der Straßenflucht aus und lenken den Blick noch einmal auf die horizontal verlaufenden Geschosse, der in etwa gleich hohen Bauten, die rechts und links der Kreuzung stehen. Hierdurch lockert Struth den strengen Blick in die Bildtiefe auf und verleiht seiner Komposition ein Gleichgewicht.

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