Jörg Sasse

1546
1993

Jörg Sasse, 1546
© VG Bild-Kunst & Jörg Sasse

C-Print

137 × 200 cm

Rückseitig signiert, datiert, betitelt und "4/4" nummeriert

Auflage 4

Expertise

Jörg Sasse, 1997

Provenienz

Privatsammlung Paris

Ausstellungen
  • Galerie Ludorff, "Perspektiven der Fotografie", Düsseldorf 2020
Literatur
  • Galerie Ludorff, "Perspektiven der Fotografie", Düsseldorf 2020, Nr. 14

Bei keinem der Becher-Schüler wird die Abwendung von der indexikalischen Auffassung von Fotografie so deutlich wie bei Jörg Sasse. Während sich die Düsseldorfer Photoschule in den frühen 1990er Jahren noch auf die Beschreibung der Wirklichkeit und ihre dokumentarische Darstellung konzentriert, beginnt Sasse die Realität und den fotografischen Aufzeichnungsprozess zu hinterfragen. Er versteht das fotografische Abbild nicht mehr als objektive Darstellung der Wirklichkeit, sondern bestenfalls als Repräsentation, die – beeinflusst durch die technischen Möglichkeiten – erzeugt wurde. Viele Becher-Schüler wandten sich in den 1990er Jahren einem medienreflexiven Ansatz zu. Auch Jörg Sasse entwickelte seit 1993 ein neues künstlerisches Vorgehen, bei dem er auf ein Archiv aus Amateurfotografien zurückgriff, diese scannte, am Computer veränderte und um ein Vielfaches vergrößert präsentierte. Das Bild des grünen Vorhangs war hier das erste Motiv und der Ausgangspunkt eines neuen Blicks auf die Welt. Ein Blick, der in seiner verschwommenen Vergrößerung des Motivs nicht nur die Textur der digitalen Bilddatei offenlegt, sondern auch eine Brücke schlägt zur Malerei. Die verklärte, formale Qualität des Werks, korrespondiert mit der Konnotation des Vorhangs, der etwas verdeckt, den Betrachter nicht hindurchschauen lässt und vielleicht darauf hinweist, dass die sichtbare Welt zwar fragmentarisch zu sehen ist, doch die Wirklichkeit in ihrer Ganzheit verborgen bleibt.

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