Skulptur I

13. November 2015 27. Februar 2016

Galerie Ludorff Königsallee 22 Düsseldorf

Skulptur I

Im Kontrast zu raumbezogenen Installationen und der Flüchtigkeit digitaler oder performativer Werke, sind es gerade die Materialien, die Plastizität und die räumliche Präsenz der Bildhauerei, die unsere Vorstellungskraft stimulieren. Zwischen den Skulpturen, dem Raum und dem Betrachter entwickelt sich ein Spannungsverhältnis. Skulpturen können aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden und die Unterschiedlichkeit der Materialien erzeugt einen großen Reiz, diese haptisch erfassen zu wollen.

Skulptur I

Zum ersten Mal zeigt die Galerie Ludorff eine Ausstellung, die sich ausschließlich skulpturalen Arbeiten widmet. Es ist die letzte der vier Jubiläumsausstellungen zum 40jährigen Bestehen der Düsseldorfer Galerie. Zu sehen sind 40 Werke von 21 KünstlerInnen. Gut die Hälfte zählen zur Zeitgenössischen Kunst der letzten 30 Jahre.

Ewald Mataré, einer der prägenden, aber noch unterschätzten Figuren der europäischen Skulptur, Lehrer von Joseph Beuys, schlug in den Gründerjahrzehnten der Moderne einen singulären Weg ein. Er vertrat ein hohes handwerkliches Ethos, in dem neben der Suche nach Neuem die Materialbeherrschung und haptische Erfahrung im Vordergrund standen. Seine Vereinfachung der plastischen Formen ist der Naturbeobachtung verpflichtet, tendiert aber zu emblematischer Verkürzung und Konzentration auf die Motive Tier und menschliche Figur. Die Formensprache zielt auf den glatten Charakter der Bronzeoberfläche und zugleich auf eine geschlossene und umrissbetonte Kompaktheit. Selbst in den kleinformatigen Tierbronzen wird erfahrbar, dass Mataré in der Reduktion eine hohe Formbestimmtheit erreicht, die Eleganz und Strenge miteinander in Einklang zu bringen vermag.

Michael Krajewski

1887, Aachen1965, Meerbusch-Büderich

Die Ausstellung in der Galerie Ludorff schlägt hier einen Spannungsbogen von figürlichen Positionen über die Vereinfachung der Naturformen als Ausdrucksmittel bis zur Abstraktion. Es werden Skulpturen von Stephan Balkenhol und Katharina Fritsch neben konzeptuellen Motivwelten von Thomas Demand präsentiert. Zu sehen sind u.a. Werke von Tony Cragg, Katharina Grosse und Imi Knoebel, sowie Arbeiten von Erwin Wurm, Martin und Brigitte Matschinsky-Denninghoff, Günter Uecker, Bernar Venet aber auch Ewald Mataré, Max Ernst und Käthe Kollwitz.

Henry Moore, Reclining Figure Curved: Rough
Reclining Figure Curved: Rough
1976

Henry Moore hat mit Reclining Figure Curved: Rough eines seiner Lebensthemen formuliert, das über die motivische Repräsentation weit hinausweist. Bekanntermaßen bedeutet „Liegen“ nicht nur das horizontale Posieren eines Modells im Atelier, es bildet wie das Stehen und das Gehen eine fundamentale Verfasstheit des Menschen. Denn „Liegen“ signalisiert auch das Gegenteil von Bewegung und Aktivität; daher kann eine liegende Figur idealerweise den Antipoden der alltäglichen Geschäftigkeit, der „Vita activa“, verkörpern: als Sinnbild der „Vita passiva“ als Sphäre von Kultur, Bildung oder Sinnlichkeit. Auch daher fand der britische Bildhauer für die liegende oder ruhende Figur zahlreiche Formulierungen und Größen, entwickelte anhand dieser sukzessive seine berühmte Abstraktion, die jedoch nie die figürliche Anspielung aufgab.

Michael Krajewski

1898, Castleford (Yorkshire)1986, Hadham (Hartfordshire)

Imi Knoebel – der Beuys-Schüler – stellt neben der Objekthaftigkeit seiner Bilder den Bezug zum Raum in den Vordergrund und leitet über zu den Skulpturen von Tony Cragg, Martin und Brigitte Matschinsky-Denninghoff, Bernar Venet und George Rickey. Wobei letztgenannter Künstler neben der dritten auch die vierte Dimension, die Zeit, für seine Skulpturen beansprucht. Rickey, neben Alexander Calder einer der Hauptvertreter der kinetischen Kunst, versetzt seine fragilen Skulpturen in ein labiles Gleichgewicht. So thematisiert er die Gegensätze von Regungslosigkeit und Bewegung, von Rast und Ruhe, von Aktivität und passiver Bereitschaft.

Katharina Fritsch ist keine Bildhauerin, die unbedarft Illusion und Nachahmung des Vorgefundenen sucht. Das Unheimliche, das sich manchmal im Alltäglichen verbirgt, ist ihr großes Thema.

Stephan Balkenhol kann als genuiner Bildhauer gelten, sein wichtigstes Material ist das klassische Holz, aus dem er präzise Figuren und Gesichter herausarbeitet. Es bleibt in seinen Werken deutlich erkennbar und auch die Bearbeitung bleibt in der groben Struktur unter der Farbfassung sichtbar. Das Ausgangsmaterial und die Spuren des Arbeitsprozesses sind Teil des Kunstwerkes. Zu Beginn seiner Karriere wurde Balkenhols Arbeit als klare Stellungnahme zur figürlichen Gegenständlichkeit verstanden, doch noch heute ist darin ein Echo auf das Serielle und die Neutralität des Minimalismus zu spüren. Sockel und Figur sind immer aus einem Holz gearbeitet, ein organischer Teil geht über in einen geometrischen, die Gesichtszüge sind überindividuell oder vereinfacht gestaltet, was ihre sachliche Ausstrahlung erzeugt.

Michael Krajewski

1957, Fritzlar/Hessenlebt & arbeitet in Karlsruhe & Meisenthal, Frankreich

Im Zwischenfeld von Malerei und Installation erarbeitete sich Katharina Grosse eine ganz eigene Position; sie füllt oder überzieht Räume mit Farbnebel, die die Ortserfahrung des Betrachters zugleich verunsichern und steigern. Der Künstler Thomas Demand inszeniert seine Motivwelten mittels kleinteiliger Papier und Kartonmodelle. Diese aufwändigen Montagen vernichtet er nachdem er sie fotografiert hat. Sichtbar gemacht wird die skulpturale Leistung erst durch das entstandene Lichtbild.

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